Hautveränderungen bedingt durch Stress

06.08.2019

Die Haut hat viele Funktionen – kein Wunder, dass sich auf ihr das Leben abzeichnet: Sie grenzt uns gegen die Umwelt ab und schützt uns vor äußeren Einflüssen. Gleichzeitig hilft sie uns mit unserem Gegenüber zu kommunizieren: Schämen wir uns, errötet die Haut. Erschrecken wir uns, erbleichen wir. Denken wir nach und grübeln, legen wir die Stirn in Falten. Freuen wir uns und lachen, bilden sich Fältchen um den Mund. Und fürchten wir uns, sorgt die Haut dafür, dass sich unsere Haare aufstellen. Emotionale und psychische Konflikte, die wir nicht verarbeiten, können sie krank machen und sogenannte psychosomatische Beschwerden auslösen – Unsere Haut zeigt Gefühle. So ist es kein Wunder, dass sie auch auf Druck im Job, oder Streit in der Familie reagiert und im Nu die Pickelchen sprießen.

75 Prozent aller Hautprobleme entstehen durch Stress

Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Gene und Umwelt zwar eine Rolle spielen, doch 75 Prozent aller Hautprobleme werden durch Stress und ein Ungleichgewicht der Hormone ausgelöst. Doch wie wirkt sich Stress genau auf unsere Haut aus? Die Erklärung ist ganz einfach: Wenn wir unter Druck stehen, schüttet unser Körper vermehrt Cortisol aus. Kurzfristig verhilft uns dieses Hormon zu Höchstleistungen – was früher in der Urzeit wichtig war, damit wir dem Säbelzahntiger entkommen konnten.

Doch langfristig macht es uns krank. Denn der Körper zahlt für diese erhöhte Alarmbereitschaft einen hohen Preis. Wenn Stress zum Dauerzustand wird, werden in unserem Körper entzündungsfördernde Substanzen produziert. Die Haut stellt sich auf „raue Zeiten“ ein und die Talgproduktion steigt.
In der Folge bekommen wir kleine Pusteln oder sogar Akne, was uns noch mehr stresst. Außerdem zerstört Cortisol die Kollagenfasern. Die Haut wirkt faltig und fahl.

Heißhunger-Attacken sind bei Stress keine Seltenheit – leider gelüstet es einen dann meist nach süß oder fettig. Wenn der Körper unruhig ist, äußert er das in einem hohen Cortisolspiegel, der die Lust nach Zucker und Kohlenhydraten antreibt. Das Resultat sieht man dann ziemlich schnell an der T-Zone im Gesicht, denn gerade diese beiden Nährstoffe fördern die Talgproduktion in der Haut und lassen sie sehr ölig werden.

Hände aus dem Gesicht – Stressbedingtes Knibbeln ist untersagt

Viele Menschen machen die Erfahrung, dass die Haut gerade vor Prüfungen schlechter wird. Eine einfache Erklärung dafür liegt direkt in unseren Händen. Denn wer nervös ist, der knibbelt mehr, verteilt so leicht Bakterien auf der Haut und fördert weitere Pickel. Außerdem ist die Gesichtshaut besonders dünn und wir können uns unabsichtlich kleinere Verletzungen zufügen. Diese entstandenen Wunden entzünden sich dann. Die Hände sollten also unbedingt aus dem Gesicht!
Aus der Neuroimmunologie wissen wir zudem, dass die Haut in Stresssituationen Substanzen bildet, die Entzündungen fördern. Nervosität kann aber auch indirekt dem Teint schaden.  Fängt man an bei Stress an viel mehr Süßigkeiten zu essen als sonst, kann auch dies Auswirkungen auf unsere Haut haben. Außerdem: Nikotin und Alkohol begünstigen Akne ebenfalls.
Auch das fällt in Krisen- und Stresssituationen oft sehr schwer: Die wichtigste Zutat für eine erfolgreiche Aknebehandlung ist Geduld – das betonen Experten. In der Regel sollten zwei Monate einkalkuliert werden, um beurteilen zu können, ob eine Pflege oder Alltagsumstellung wirkt. Die Haut, so sagt man, braucht 28 Tage um sich zu erneuern. Echte, langfristige Veränderungen hingegen zeigen sich erst nach „zwei Runden“. Viele Patienten hoffen, dass verschreibungspflichtige Medikamente schneller helfen. Es kann aber bis zu drei Monaten dauern, bis feststeht, ob eine Behandlung optimal anschlägt.
Was können Betroffene zu Hause selbst für ihren gestressten Teint tun? Nur gut gereinigte Haut kann gut gepflegt werden. Die Haut muss mit Spezialprodukten täglich von Verschmutzungen und überschüssigem Talg befreit werden, darf aber dabei nicht austrocknen. Kosmetiker empfehlen deshalb zudem eine leichte Feuchtigkeitspflege – am besten ein Produkt mit entzündungshemmenden Zusätzen wie dem B-Vitamin Niacinamid.
Zu Peelings sollte nur gegriffen werden, solange die Haut nicht akut entzündet ist. Am besten Fruchtsäure- und Enzympeelings. Die Schleifkörper in mechanischen Peelings können kleine Hautverletzungen begünstigen, dadurch werden Bakterien verteilt.
Außerdem sollten sich Betroffene für das Gesicht einen Stoß Gästehandtücher zulegen und diese – nachdem sie einmal benutzt wurden – bei mindestens 60 Grad waschen. Auf diese Weise werden an Akne beteiligte Bakterien beseitigt. Auch der Kopfkissenbezug sollte regelmäßig gewechselt werden, sagen Ärzte. In schweren Fällen bereits nach drei Nächten. Außerdem sollte man auch das Kissen selbst öfter austauschen. Nicht wenige AknepatientInnen haben eine Hausstaubmilbenallergie, deshalb kann altes Bettzeug ihre Haut verschlechtern.


Warum entstehen dunkle Schatten unter den Augen?

Schlechter Schlaf und ein anstrengender Alltag kommen meist im Doppelpack und wirken sich gleich doppelt negativ auf die Haut aus. Das wird gerne mit Augenringen und Schwellungen im Augenbereich gestraft, denn gerade in diesem Areal ist die Haut sehr dünn. In kurzen Nächten hat der Körper zu wenig Zeit, Stoffwechselprodukte mit der Lymphflüssigkeit aus dem Augenbereich heraus zu spülen – stattdessen wird sie gesammelt und zeichnet sich mit dunklen Schatten ab. So wirken die Augen müde und auch oft aufgequollen.
Natürlich lässt sich Stress nicht immer vermeiden. Doch ein paar Tricks gibt es schon, um Hautveränderungen vorzubeugen. Manchmal hilft vielleicht schon eine halbe Stunde Yoga, so wird nicht nur auf die Schnelle das Problem, sondern speziell auch die Ursache behandelt. Eine gesunde Lebensweise mit der richtigen Einstellung, Ernährung, viel Bewegung und Entspannung kann helfen, künftigen Hautproblemen entgegen zu wirken. Es ist ein Zusammenspiel unterschiedlichster Faktoren und ein langer Prozess, der vor allem Durchhaltevermögen und Eigeninitiative fordert.


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